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Waldbau...
Nachdem ich nun Waldbesitzer geworden war (“echte” Waldbesitzer werden mir meinen Größenwahn gnädig nachsehen), musste ich mir alles genauer ansehen. Schon während meiner
Kaufüberlegungen hatte ich angefangen, Literatur über den Wald und die Flora Nova Scotias zu suchen. Da die Regierung, das Department of Natural Resources, einige Publikationen selber herausgibt und andere
unterstützt, wurde ich in Halifax schnell fündig. So konnte ich mir bereits einige einschlägige theoretische Kenntnisse aneignen. Später habe ich dann auch in Deutschland entsprechende Literatur gefunden und auch
Vorlesungen an der Universität Bonn über Forstwirtschaft gehört.
Ein Teil des Waldes in Flussnähe sowie auf schlechter zugänglichen Stellen des Landes ist urwüchsig, der weitaus größere Teil ist durch Überwachsung von aufgegebenem Farmland (neu)
entstanden. Nach Alter der dort durch Naturverjüngung entstandenen Bestände vornehmlich an White Spruce wurde das Land in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts aufgegeben.
Auf einem etwa 6 ha großen Teil war nach Kahlschlag durch den Vorbesitzer Red Pine aufgeforstet worden, die, 1990 gesetzt, inzwischen (2003) durchschnittlich 10 Meter hoch gewachsen sind. Red Pine ist ein gradwüchsiger hochwachsender Baum mit
langen dunklen Nadeln. Seine sichtbare Verwendung findet er typisch als Telefonmast.
In Zusammenarbeit mit einem forstwirtschaftlichen Unternehmen habe ich einen “Woodlot Management Plan” erstellt, der die die erforderlichen waldbaulichen
Maßnahmen der nächsten Jahre auf Basis einer eingehenden Standortanalyse festlegt. Wichtig war mir besonders, die Grundsätze der Nachhaltigkeit beim
Aufbau eines gemischten standortadäquaten Waldes zu berücksichtigen.
Im Zuge dieser geplanten Maßnahmen wurde im Jahr 1996 ein weiterer Hektar abgeholzt, da der dort wachsende Baumbestand nicht mehr in Wertholz
umgewandelt werden konnte. Um eventuell im Altbestand vorhandenen Schädlingen nicht die Möglichkeit zu geben zu überleben, müssen zwischen Einschlag und Neupflanzung mindestens zwei volle
Jahre liegen. Daher erfolgte erst im Jahr 1999 ein Neubesatz mit (780 Stück) Red Spruce. Red Spruce ist der Provincial Tree
von Nova Scotia und der Lieblingsbaum der Papiermühlen. Aufgrund der großen Trockenheit in jenem Sommer haben jedoch
viele Pflanzen nicht überlebt und ist der Rest im Wachstum leider etwas zurückgeblieben. Im Frühjahr 2003 habe ich mit meiner
Frau daher die Lücken mit weiteren 120 Sämlingen geschlossen. In der Zwischenzeit war ich unter anderem durch Analyse der
Bodenverhältnisse und der umliegenden Wälder zu der Überzeugung gekommen, dass in dieser Gegend die besten Wuchsbedingungen für die White Pine herrschen. Daher wollte ich ursprünglich das Areal mit dieser Kiefer bepflanzen. Da in
der Provinz zu der Zeit jedoch einige Kiefernwälder durch Schädlinge stark geschädigt worden waren, folgte ich der Empfehlung der Baumschule.
Die letzte forstliche Großmaßnahme war 2001 der Einschlag von überreifen Baumbeständen von etwa 0,5 ha in der
Nordost-Ecke des Waldes sowie etwa 0,5 ha an der alten Straße bergaufwärts. Dort hatte der Wind schon einen großen Teil
umgeworfen und es galt, zumindest den Rest kommerziell zu verwerten. Nach Ablauf der Karenzzeit 2004 werde ich auf diesen Flächen einen Bestand von White Pine anlegen.
Zur Erzielung von Wertholz, zur Bodenverbesserung und zur Verminderung der Waldbrandgefahr habe ich begonnen, die Kiefern und Fichten zu Asten, d.h.
die unteren, teils schon abgestorbenen Äste in Stammnähe abzusägen, soweit das vom Boden aus geht. Mit einer etwa vier Meter langen Säge geht das in
erstaunliche Höhe. Es ist ganz interessant zu erleben, wie schnell sich eine gute Naturverjüngung einstellt. Demnächst muss ich doch Steigeisen anschaffen. Wie
ich gesehen habe, bekommt man die mit ein bisschen Glück bei Ebay schon recht günstig.
Gleichzeitig versuche ich den Nadelholzbestand mit Laubholz zu durchsetzen, besonders mit Red- und White Oak. Aufgrund
des enormen Verbisses bin ich hier dazu übergegangen, die Setzlinge zunächst in einem kleinen umzäunten Bereich auf eine Größe von über zwei Meter wachsen zu lassen und sie dann auszusetzen.
Im südlichen auf Flussniveau liegenden Teil ist ein etwa 4 ha großer Auwald zu finden, in dem neben White Ash , Black Ash
und Spreckled Alder eine Menge wilder Apfelbäume standen. Hier war wohl früher die Apfelbaumwiese der ersten Farmer.
Die uralten Apfelbäume tragen teilweise noch heute schmackhafte Früchte, so dass dieser Teil des Waldes ein Paradies für die Tiere ist, die sich diese Leckerbissen nicht entgehen lassen. Teilweise ist die Ernte so üppig, dass einer meiner Nachbarn das
Fallobst eimerweise aufsammelt, um es als Futter für seine Schweine zu verwenden. Apfelbäume haben, wenn sie alt und verwildert sind, die Eigenart, eine breite und stark verschlungene Krone zu bilden. Somit haben
konkurrierende Baumarten kaum Chancen, gerade in die Höhe zu wachsen. Ich habe daher vor einigen Jahren damit angefangen, die Apfelbäume, die keine oder
nur spärliche Früchte tragen, zu roden. Dies ist eine sehr anstrengende Arbeit und aufgrund der starken Verästelung nicht ungefährlich, da nicht jeder Ast wie
beabsichtigt zu Boden fällt, sondern teilweise in der Krone hängen bleibt. Dann müssen vorsichtig nacheinander die blockierenden Äste beseitigt werden. Auch
ist die Rinde der Apfelbäume sehr rau und rissig, so dass viel feiner Dreck und Staub herunterfällt. Helm, Nacken- und Gesichtsschutz haben sich hier schon sehr bewährt!
Dort, wo nun das Licht wieder auf den Waldboden fällt, hat die Naturverjüngung der Eschen eingesetzt und die Sämlinge haben
eine Chance, in die Höhe zu wachsen. Leider ist der Verbiss recht hoch, da die zarten Triebe der Jungpflanzen den Tieren als
willkommener Ersatz für die Äpfel dienen, ist doch inzwischen ein schöner Bestand an Eschenjungholz erkennbar.
Als nächste größere, aber auch teurere, waldbauliche Maßnahme wurde damit begonnen, einen Holzweg in das sonst schlecht
zugängliche Gebiet zu bauen, damit auf diesem Wege zukünftig einzelne Stämme entnommen und abtransportiert werden können.
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